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Travel One 03_2014

7.2.2014 travel.one16 titelthema.airlines/airports Was unternehmen Flugzeugbauer gegen Dreck und Lärm, Herr Ganz? Das Interview führte Kendra Mietke. Welchen Stellenwert besitzt die Vermeidung von Abgas- und Lärmemissionen bei Boeing als Flugzeugbauer? Ganz: Die Verringerung von Emissi- onen spielt eine ganz wesentliche Rolle. Heutige Verkehrsflugzeuge verbrauchen rund 70 Prozent weni- ger Treibstoff und haben einen rund 90 Prozent kleineren Lärm- teppich als in den 1950er Jahren. Prognosen zufolge wird die Zahl der Flugreisenden und der weltweit eingesetzten Flugzeuge weiter an- steigen. Deshalb bleiben Strategien zur Reduzierung von Emissionen auch künftig sehr wichtig. Welche Rolle spielt das für die Entwicklung neuer Flugzeuge? Der Fokus bei Entwicklung und Pro- duktion wird zunehmend auf emis- sionsärmere und leisere Flugzeuge ausgerichtet. Neue Materialien, eine verbesserte Aerodynamik und fortschrittliche Triebwerke erhö- hen die Effizienz. Moderne, leichte Materialien wie neue Aluminiumle- gierungen und Verbundwerkstoffe verringern das Gewicht eines Flug- zeugs und damit den Treibstoffver- brauch. Selbst gering erscheinende Effizienz-Verbesserungen von einem bis zwei Prozent ermögli- chen Airlines über das Jahr gerech- net erhebliche Treibstofferspa- rungen und entlasten die Umwelt. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen? Bei Boeing fließen mehr als 75 Pro- zent der Mittel für Forschung und Entwicklung unseres Unterneh- mensbereichs »Commercial Air- planes« in Innovationen für um- welttechnischen Fortschritt. Für unsere Ingenieure bedeutet um- welteffizientes Design unter ande- rem weniger Verbrauch von Ener- gie und Wasser, Reduzierung von CO2-Emissionen und Lärm. Wichtig ist dabei, bereits bei der Entwick- lung den gesamten Lebenszyklus im Blick zu haben – also von der Entwicklung und Produktion über die Betriebsdauer bis zu Recycling und Entsorgung. Wir nennen diese Strategie »Design für die Umwelt«. Welcher Flugzeugtyp ist denn besonders emissionsfreundlich? Ein Beispiel ist der 787 Dreamliner, der mit fortschrittlichen Triebwerken so- wie dem Einsatz von Verbundmaterial etwa 20 Prozent treibstoffeffizienter ist als ein Flugzeug vergleichbarer Größe. Ein Beispiel für Lärmreduktion sind die Triebwerke der 787 und der neuen Boeing 747-8. Die gezackten Hinter- kanten an den Verkleidungen der Triebwerke, auch Chevrons genannt, vermischen die heiße Luft aus dem Ab- gasstrahl mit der kühleren Umge- bungsluft und tragen so zur Lärmre- duktion bei. Was können Flugzeugbauer darüber hinaus tun, um langfristig Emissionen zu reduzieren? Indem wir weiterhin den Fokus auf For- schung und Technologie legen. Das Boeing-Forschungsprogramm »Eco De- monstrator« hilft zum Beispiel, vielver- sprechende Technologien zu prüfen, weiterzuentwickeln und schneller zum Einsatz zu bringen. Auch moderne Tech- nik im Cockpit kann einen wichtigen Beitrag leisten, um leisere Anflüge auf den Flughafen zu ermöglichen. Zudem spielt auch der Treibstoff selbst eine Rolle. Wir arbeiten weltweit mit Flugge- sellschaften, Triebwerksherstellern, Re- gierungen, Kraftstoffproduzenten und Forschungsorganisationen zusammen, um die Zertifizierung und Markteinfüh- rung nachhaltiger Biotreibstoffe für die Luftfahrt voranzubringen. Dr. Matthew Ganz ist Präsident von Boeing Deutschland und Nordeuropa, außerdem ist er als Vizepräsident für den Bereich Europäische Technologie-Strategien zuständig.

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